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STADT PROJEKT BAD RAGAZ

Die Kunstwerke des Bildhauers Kurt L. Metzler kann man in zwei grosse Richtungen eingliedern. Die figurative und die abstrakte Richtung. Auf der einen Seite sind die grossen Objekte, welche genaue Kenntnisse der Formen und Materialien voraussetzen. Anderseits sind es Bilder die vom Alltag und der Gegenwart erzaehlen. Die Teilung erscheint so folgerichtig:das Abstrakte erforscht das Dreidimensionale, das Gefuehl der Staerke und der Flaeche, waehrend sich das Figurative den eigentlichen Darstellungen widmet, der Erzaehlung.
Dennoch, wie wir spaeter sehen werden, vermischen und verflechten sich die zwei Richtungen und dienen als Ausgangspunkt fuer Umdeutungen, die nicht nur als individuelle Ausdrucksweise Form annimmt(sein eigener Stil), sondern auch als generelle Betrachtung ueber Bildhaurei (seine persoenliche Theorie ueber Kunst).


Wir sagten vorher, das Metzler ein genauer Aesthet ist, was Raum und Material betrifft. Die meisten Skulpturen sind Verflechtungen von Formen.die sich gemaess seltsamen Launen der Dissimetrie entwikeln. Man sieht sehr hohe Stelen mit senkrechtem Rumpf, aus den Verzweigungen, Oeffnungen, Ausschnitte und Reliefs wachsen. So sieht man auch massive Elemente, wie Kuben, Kugeln an denen sich andere irregulaere geometrische Formen anfuegen. Sie erinnern stark an primitive Objekte wie Totems, Dolmen und Menhire, aber auch an Gegenstaende wie Brunnen, Ornamente oder Gefaesse. Eindruecklich ist das grosse Koennen, mit dem die verschiedenen Materialien verarbeitet werden, vor allem bei den Steinen, wo man die geuebte Hand des Kuenstlers sieht. Man erkennt die Verwendung verschiedener Werkzeuge vom traditionellen Meissel bis hin zur Esse, Schweissmaschine, Schweissbrenner, und Schleifmaschine, mit denen man wohl schneidet und formt, die aber auch den Oberflaechen einen spezifischen Charakter verleihen (glatt, strukturiert, unregelmaessig, kantig usw). Die formale Zusammenstellung (eine Art bildhauerischem Collage) und die starke Hand des Kuenstlers ermoeglichen, dass die abstrakten Formen keine Spur von Zufaelligkeiten besitzen, wie es oft bei vielen Kuenstlers der Fall ist, sondern das Resultat einer langen, studierten und vollendeten Suche ist. Bei dem Marmor aber vermeidet er die Geziertheit des Feipoliertem, die so charakteristisch fuer eine gewisse Avantgarde dieses Jahrhunderts ist.
Bei der Montage und dem Bemalen der Skulpturen bedient sich Metzler der Ironie, die schwer zu erklaeren ist, da ja die Ironie eine rhetorische Figur des Inhalts ist und nicht, wie im Falle der abstrakten Kunst eine Ausdrucksart. Aber hier liegt genau der Punkt: Metzler erzaehlt in Wirklichkeit etwas. Mit dem Material deutet er auf seine Art ,auf die Beziehung zwischen Arbeit und Philosophie hin.
Auf den Oberflaechen seiner Werke ist die Verbindung zwischen dem Handwerk und dem rohen Objekt eingepraegt. Man sieht die dazwischen liegenden Stadien, die Konflikte, die Hiebe, die Liebkosungen, die Herausforderungen und die Gespaltenheit. Im gesamten der einzelnen Volumen ahnt man, dass die Grundfigur eine Entwicklung zu erzeugen versucht, als suche sie selbst eine freie Ausdehnug im Raume gemaess dem eigenen Traumbilde. Fast gaebe es ein „Traum der Materie“.
Die abstrakten Skulpturen von Metzler sind personifiziert und haben eine selbststaendige und aggressive Haltung. Aber diese Umbekuemmertheit und Ironie beleben auch die figurativen und farbigen Skulpturen, welche die zweite und grosse Richtung in Metzlers Arbeit darstellt. Die Farben und die verschiedenen Materialien wie Metall, Polyester oder Stein sind die eindruecklichsten und besten Traeger ihrer ikonischen Bedeutung dieser Kategorie seiner Werke. Die verschiedene Beschaffenheit der Materie (per Definition mehr formbar als schneidbar oder behaubar), ermoechlicht zwingend, dass am Ende etwas Gewolltes, Konstruiertes entsteht, das heisst, dass zuerst ein Projekt oder eine Zeichnung vorhanden sein muss. Die Farben erzeugen zusaetzlich eine besonders kritische und motivierte Darstellung gegenueber der Umwelt. Die Kunstwerke sind wirkliche Gestalten, die mit dem Alltaeglichen beschaeftigt sind, wie das Lesen einer Zeitung oder eines Buches, beim Spazierengehen, beim Spielen im Park oder Menschen auf Reisen. Erzaehlungen also. Dennoch, erziehlt Metzler hier den entgegengesetzten Effekt. Die Gestalten wirken wie kleine Ikonen des alltaeglichen Lebens, dabei wird ihr Charakter im dekorativen Sinne unterstrichen. In ihrer Unbeweglichkeit werden die menschlichen Figuren Bilder oder besser Abbilder, somit erreichen sie die absolute und totale Abstraktion, noch unterstrichen durch kleine Details. Waehrend die Skulpturen von weitem gewollt „wahr“ erscheinen, entdeckt man bei naeherer Betrachtung ihrer Beschaffenheit, die Verwendung der farben, die Differenziertheit der Formen, die Strukturen des Materials, die Eingriffe durch die Bearbeitung.
So koennen wir einen der Theoretischen Grundsaetze in Metzlers Schaffen verstehen,das Gewollte und Gesuchte vermischen des Abstrakten und des Figurativem. Das Abstrakte erscheint als die Sichtbarmachung von Bestandteilen eines Paradigmas (eine Liste der primaeren Formen und Archetypen) durch welches das Kunstwerk die Darstellung der Geschichte des Kuenstlers wird.
Das Figurative erscheint als eine Verkettung der Teile eines Syntagmas und wird selbst zum einzelnen Element, Archeotyp, primaeren Form einer vollendet zusammengestellten Liste von menschlichen Individuen. Das Abstrakte und das Figurative sind wie Wekzeuge in den Haenden des Kuenstlers und je nach Beduerfnis bedient er sich spontan damit. Der Stil liegt in dem Kunstwerk selbst und nicht in dessen Einordnung. Die Kunst von Metzler ist also ein individueller Anspruch auf Freiheit in der schon die Gebrauchsanweisung fuer die Interpretation enthalten ist, unabhaengig von den vorgegebenen Erlaeuterungen der Kritik.